[Der :Freischreiber-Newsletter]



[Der :Freischreiber-Newsletter]

vom 10.04.2014

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

heute schon mal über unserer Homepage geschlendert? Nun – es gibt eine neue Rubrik: Unter dem Titel Freischreibers Glotze sollen hier in lockerer Folge Themen aus dem Bereich Funk und Fernsehen angesprochen werden, die Freischreiber interessieren könnten – aktuelle Themen, Fernseh-Ereignisse, Hinweise auf interessante Artikel und Sendungen. Diesmal (klick) widmet sich Freischreiber Michael Schomers neben Lanz und Co. auch einem neuen Film von Dominik Graf, der anlässlich des 50. Jubiläum des Grimme-Preises dem guten, alten deutschen Fernsehen einen Nachruf geschenkt hat.

Nachschauen können unsere Mitglieder (und nur die, oh ja) den letzten „freimittag“ (hier), an dem Tabea Grzeszyk das Projekt „Hostwriter“ gründlich und genau vorstellte: Eine weltweite Kooperationsplattform für Journalisten soll auf "hostwriter.org“ entstehen. Ein Netzwerk, um Kollegen zu finden, die ähnliche Themen recherchieren, bei Visa-Fragen helfen oder einfach ihre Couch zum Übernachten zur Verfügung stellen.
Unsere Mitglieder (und, oh ja, nur die) werden demnächst dazu ein verlockendes Angebot bekommen …

Und weiter geht es mit Siebenmeilenstiefeln in die schnöde Wirklichkeit, hat Jan Tißler doch eine Art Statement für den selbstbewussten Onlinejournalismus verfasst: „Journalismus in digitalen Medien wird selbstbewusster und erwachsener. Neue Projekte entstehen, die nicht mehr auf möglichst hohe Abrufzahlen setzen, sondern ihre Leser mit anspruchsvollen Beiträgen gewinnen wollen. Sie haben tatsächlich eine Chance, wie erste Beispiele zeigen. Das liegt auch an der Erkenntnis: Es gibt Leser, die für gut gemachte digitale Inhalte zahlen.“ Entsprechend werden Projekte wie das amerikanische „The Information“, „The Intercept“, oder das niederländische  „De Correspondent“ vorgestellt, dass immerhin von 30.000 zahlenden Leser genutzt wird. Weiter schreibt er: „Die Behauptung, Onlinetexte müssten kurz sein, hat aus meiner Sicht in dieser Absolutheit noch nie gestimmt. Früher war es sicherlich anstrengender als heute, auf einem Display zu lesen. Aber letztlich ist es die Aufgabe des Layouters, die Lesefreundlichkeit zu erhöhen und es ist die Aufgabe des Autors, das Interesse des Lesers wach zu halten. Wikipedia wurde beispielsweise nicht groß, weil es kurz und knapp ein Thema zusammenfasst. Ganz im Gegenteil. Wikipedia hat allen Platz der Welt, um ein Thema darzustellen und zu erklären und wird auch dafür sehr geschätzt.“

Der „Journalist“ beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit Bezahlmodellen im Netz: „Bezahlmodelle im Netz sind nach wie vor ein Politikum – von der lokalen Boulevard- bis zur überregionalen Abonnementzeitung. Wer sich bewegt, wird beobachtet. Keiner will einen Fehler machen. Die einen schauen beim anderen ab. Herausgekommen sind vor allem Abomodelle. Warum eigentlich? Warum gibt es immer noch kein funktionierendes Micropayment-System? Eine Art iTunes für journalistische Texte? Den Verlagen scheint es nur um ihre Stammleser aus dem Aboprintzeitalter zu gehen. Auf der Strecke bleibt das Nachwuchspublikum."

Dies und Das

Constantin Seibt ist mit Blick auf die Rolle des Journalisten auf dem Felde der politischen Auseinandersetzungen derzeit nicht gerade locker gestimmt und so drängt es ihn zu selbstkritischen Impressionen: „Journalisten sind die Wachhunde der Demokratie – ein edler Job. Und ein heikler. Denn auch Wachhunde haben die Instinkte aller Rudeltiere. Wer je in einer Redaktion gearbeitet hat, kennt das belebende Fieber, das ausbricht, wenn irgendein Prominenter angeschossen ist. Alle sind plötzlich sehr wach, fröhlich, und tatendurstig. Das Belebende daran ist, glaube ich: das Gefühl der Macht. Denn in der Regel ist Journalismus deprimierend wirkungslos. Selbst dem cleversten Artikel gelingt es kaum je, die Meinung auch nur eines Lesers zu kehren, geschweige denn die öffentliche Meinung. Aber die Karriere einer einzelnen Person zu beenden, das funktioniert, immer wieder. Köpfe sind einfacher zu ändern als Gehirne.“
Und wo wir gerade dank Seibt in der Schweiz verweilen, wollen wir ein paar positiv stimmende Zahlen mit in unseren Lebensrucksack packen, denn in der Schweiz, da liest der junge Mensch noch unverdrossen Nachrichten auf Papier: „In der Schweiz liest etwa die Hälfte der Personen ab 14 Jahren – insgesamt 3,2 Millionen – täglich eine gedruckte Zeitung. Aber nur 432 000 Personen informieren sich täglich nur über Online-Angebote." Selbst die Jüngeren bevorzugen mehrheitlich Gedrucktes: "Unter den 14- bis 34-Jährigen lesen 897 000 Presseerzeugnisse und 184 000 bloss Online-News…."

So gestärkt, fahren wir wieder unseren Rechner hoch und überprüfen mal all die neuen hyperlokalen Blogs, die uns Judyta Smykowski vom Blog „Elbmelancholie“  anlässlich des Erscheinens des neuen Hamburgteils der „Zeit“ empfiehlt: „Meist berichten die Blogs nur aus einem Bezirk oder wenigen Stadtteilen. Hyperlokal ist gleichzeitig eine Spezialisierung, die die Tageszeitungen in der Stadt so nicht leisten. Sie müssen es auch nicht, denn schon heute gibt es Kooperationen zwischen den Bloggern und den etablierten Medien in der Hansestadt. Die Blogs, meist zwei Jahre alt, sind die Eimsbütteler Nachrichten im Bezirk Eimsbüttel, HH-Mittendrin für den Bezirk Mitte, Wilhelmsburg Online für den Südwesten und das bezirksübergreifende Magazin Elbmelancholie.“

Auch Nelli Oberlender von „Message“ sieht in den Blogs eine solide Zukunft für den Lokaljournalismus: „Den lokalen Bezug und das digitale Format haben sie gemeinsam. Doch davon abgesehen ist die deutsche Lokalblogger-Szene so bunt gemischt wie die Kölner Innenstadt am Rosenmontag – und ebenso beliebt: Die Bandbreite reicht von privaten Herzensprojekten wie Hallobock, in dem das Ehepaar Helmuth und Bärbel Bock Nachrichten und Veranstaltungshinweise aus Saarbrücken anbietet, bis zu Blogs wie Veganes Paderborn oder Weltnest, die sich meinungsbetont Lifestyle-Themen widmen. Beachtliche Leserzahlen weisen einige professionelle lokaljournalistische Plattformen auf: Regensburg Digital etwa erreicht mit seiner Berichterstattung zu (hyper-)lokalen Themen bis zu 180.000 Besucher monatlich.“ Nicht nur der Leser sei im Vorteil: „Es ist erstaunlich, dass gerade jene Merkmale, die den Erfolg journalistischer Lokalblogs antreiben und sie von traditionellen Medien abheben, eigentlich zu den journalistischen Grundsätzen gehören: umfassende, persönliche Recherche vor Ort, eine faktenbasierte und unabhängige Berichterstattung sowie Mut zur Meinung. Werte, die sich im Print-Journalismus immer seltener umsetzen lassen; das Geschäft mit der Zeitung rentiert sich wegen rückläufiger Anzeigeneinnahmen und der schnelleren Online-Konkurrenz immer weniger, die Journalisten sind infolgedessen an Schreibtisch, Telefon und dpa-Meldungen gefesselt, statt draußen Geschichten zu recherchieren. Da wirkt ein Konzept wie „Call a Journalist" des Onlinemagazins Hamburg Mittendrin innovativ und praktisch zugleich: Hier können Leser mittels Smartphone-App einen Mittendrin-Journalisten dorthin rufen, wo sich gerade etwas Wichtiges abspielt.“

Preise

Um den Preis „unendlich viel energie“ der Agentur für Erneuerbare Energien, dotiert mit insgesamt 10.000 Euro  kann man sich noch bis 31. Mai 2014 mit Fotos, Texten, Fernseh- und Hörfunkbeiträge zur Debatte über die Chancen und Herausforderungen der Erneuerbaren bewerben. Außerdem gibts einen Sonderpreis Lokal- und Regional-Berichterstatter. Mehr hier.
 
Den „Medienpreis für Bildungsjournalismus“ vergibt die deutsche Telekom Stiftung, dotiert mit insgesamt 23.000 Euro für Print, Hörfunk, TV und Online. Bewerbungsschluss: 15. Juni 2014. Ausführliche Informationen zur Ausschreibung und den Kriterien hier.

Seminare

Jede Menge freie Seminarplätze gibt es noch bei der Journalisten Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Monate Mai und Juni: ob bei „Journalistisches Schreiben: Verständlich, präzise und anregend formulieren“ vom 5. – 9. Mai 2014 in Würzburg, über das Seminar „Wer fragt, der führt: Das politische Interview in Berlin“ vom 15. – 16. Mai 2014 in natürlich Berlin bis zu „Social Media: Diskurs-Webinar für Fortgeschrittene 2014“ vom 19. – 21. Mai 2014, Online. Mehr ist hier zu erfahren.

Das neue Buch

Amokdrohungen und School-Shootings – Vom Phänomen zur praktischen Prävention“ heißt das neue Buch, das Freischreiber Armin Himmelrath zusammen mit der Psychologin Sarah Neuhäuser geschrieben hat:"Tausende von Amokdrohungen gab es seit 2005 gegen Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz – meist inspiriert von School-Shootings in den USA und dem restlichen Europa. Für Schulen und Lehrkräfte ist es oft schwierig, die Bedeutung solcher Drohungen einzuschätzen, vage Gerüchte von echten Alarmsignalen zu unterscheiden und dann in angemessener Weise aktiv zu werden, ohne entweder zu verharmlosen oder aber in Hysterie zu verfallen.“

So. Das war's schon wieder. Nur diesmal kein Scherz zum Schluss, denn uns ist nicht zum Scherzen zumute. Wir empfehlen einen längeren Blick auf die Homepage der am letzten Wochenende in Afghanistan ums Leben gekommene Fotoreporterin Anja Niedringhaus und möchten auch auf das sehr komplexe und einfach gute Interview mit ihr verweisen, das in dem jüngst erschienen Interviewband Bilderkrieger  zu lesen ist: „Ich bedauere nicht ein einziges Bild. Was ich bedauere ist, dass ich manche nicht besser gemacht habe. In Sarajewo war ich so jung. Ich habe die ganze Geschichte erst gar nicht verstanden. Und wenn ich die Fotos, die einige ältere Fotografen gemacht haben, jetzt sehe und sie mit meiner Arbeit vergleiche … Don McCullin ist jetzt mit 77 Jahren nach Syrien gegangen. Der hat eine bestimmte Art von Bildern vermisst: das tägliche Leben in der Zeit des Bürgerkriegs, den Alltag der Familien, die nicht geflohen sind oder fliehen konnten. Das kann ich gut nachvollziehen. Wenn ich mir die jungen Fotografen ansehe, so um die 25, das ist ein anderer Stil. Die riskieren viel, sind immer an der Frontlinie. Das ist wichtig und einige machen auch sehr starke Bilder, aber sie zeigen eben immer nur eine Seite solcher Konflikte. Ich wünsche mir Fotos, die die ganze Geschichte zeigen. Ich glaube, in diesem Beruf ist man nie zu alt. Ich bin nicht sarkastisch geworden in diesen ganzen Jahren, auch nicht ironisch. Schwarzer Humor, das schon. Eigentlich bin ich jetzt erst in den besten Jahren.“

In diesem Sinne
Ihre Freischreiber

Himmel-und_Hölle-Preis 2013

FREISCHREIBER TERMINE

 
Berlin

Um "Kooperatives Arbeiten und Selbstvermarktung im Netz" geht es beim nächsten Berliner Regionaltreffen am Dienstag, 6. Mai um 19.30 Uhr. Wir sprechen mit Marcus Jordan, Chefredakteur von Torial, mit dessen Portfolio-Netzwerk die Freischreiber eng zusammenarbeiten und ihre Website verknüpft haben. Anmeldungen an: gemma.poerzgen -at- gmx.net. Vor kurzem war Marcus Jordan bei den Franfkurter Freischreibern – das Protokoll zum Reinschnuppern hier.
 
Hamburg

Profilagentin Kixka Nebraska“ – hinter dieser Jobbeschreibung plus Künstlernamen verbirgt sich nicht etwa eine zwielichtige Gestalt aus dem neuesten James Bond-Film, sondern eine äußerst kompetente Social-Media-Expertin und Mitgründerin der „Digital Media Women“. Als Gast bei unserem nächsten Freischreiber-Stammtisch am 28. April um 19.30 im „Oberstübchen“ (St. Pauli Fischmarkt 27) hält Kixka einen Vortrag über die Chancen digitaler Sichtbarkeit und neuer Tools: Wie optimiere ich meinen Social-Media-Auftritt und vernetze meine verschiedenen Profile, wie werde ich mit meinen eigenen Seiten und Beiträgen optimal gefunden, wie und wozu nutze ich das neue Online-Tool „Google Authorship“? Danach steht Kixka für unsere individuellen Fragen zur Verfügung.
Anmeldungen, damit klar ist, wie viele Getränke kaltgestellt werden müssen, bitte an kontakt -at- ruth-hoffmann.de
 
München

Workshop: Nachdem der Vorschlag der gegenseitigen Textkritik so gut ankam, kommt jetzt der erste Freischreiber-Feedback-Workshop (FF-Workshop) am Samstag, 26. April von 12-17 Uhr, in der Marschallstraße 1 direkt an der Münchner Freiheit.
Anmeldung für 10 Leute über Lisa Rüffer: Du willst mitmachen? Dann schreib mir eine Mail. Finden sich mehr als zehn Interessenten, gilt: Wer zuerst kommt, malt zuerst. Für den Raum zahle ich 50 Euro Miete. Ich bring einen Kasten Wasser mit, es gibt eine Kaffeemaschine und ein Sparschwein freut sich über Futter.Wer einen Text einreicht: Überlegt Euch bitte vorher, ob ihr Kritik auch wirklich hören wollt. Und schreibt mir kurz dazu, welche Fragen Euch interessieren und wo ihr Probleme seht. Es können gerne auch Eure besten Texte sein.
Anmeldung bis Mittwoch, 16. April an: kontakt -at- lisarueffer.de