[Der :Freischreiber-Newsletter]



[Der :Freischreiber-Newsletter]

vom 26.03.2014

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

auch diese Woche ist alles in Ordnung! Also der Donnerstag ist ein Donnerstag und der Freitag ein Freitag. Und deshalb gibt es diesen Freitag wieder für unsere Mitglieder unseren Freimittags-Webtalk Nr. 5. Thema diesmal: "Er muss 38.000 Euro loswerden". Denn: so viel Geld haben Denis Dilba und Georg Dahm vom kommenden digitalen Wissenschaftsmagazin „Substanz“ über die Plattform "Startnext“ einwerben können: „Ein Magazin, das Geschichten aus dem Herzen der Wissenschaft liefert. Geschichten über Erkenntnisse und wie Forscher zu ihnen kamen. Geschichten über Umwege und Irrwege, über Alltag und Abenteuer, über Zweifel und Triumphe. Substanz soll Platz bieten für die großen Geschichten, die in Ruhe erzählt werden wollen“, so das Versprechen. Wie es gehalten werden soll und warum das mit den 38.000 Euro geklappt hat, morgen, am Freitag, den 28. März, um 12.30 Uhr kann man es direkt von Denis Dilba erfahren. Und zwar live! Also keine Konserve!

Sagten wir eben, dass diese Woche wieder alles in Ordnung ist? Mitnichten! Man weiß ja nicht mal, was man noch anziehen soll! Jackett oder Kapuzenpullover? Denn diese beiden Oberbekleidungsstücke stehen für die zwei widerstreitenden Hälften unserer journalistischen Welt: für Print und Online!
Was geschehen ist? Die Redaktion der gedruckten „Süddeutschen Zeitung“ war nicht damit einverstanden, dass im Impressum auch der Name eines Online-Kollegen erwähnt wird (das ist zugegeben jetzt eine arg verkürzte Version, Sie wissen ja: Das Zwischenmenschliche ist ein Labyrinth, in dem man sich schnell verliert …). Jedenfalls tobt seitdem in der Szene ein gar heftiger Streit über Online und Print, garniert mit allerlei Fotos, die Menschen in verschiedenen Kapuzenpulliposen zeigen.
Und rein gesprungen in die Debatte, meint doch die „Zeit“ in ihren zwölf Thesen zum Thema: „Es geht ein Riss durch deutsche Redaktionen. Nicht etwa unterschiedliche Ansichten zu Russland sind es, zum Euro oder zum Fall Edathy, die zu diesem Zerwürfnis führen. Nichts scheidet deutsche Journalisten mehr als das Substrat, auf dem sie publizieren: Selbst Print- und Onlineredakteure desselben Verlagshauses leben oft in unterschiedlichen Sphären und pflegen die Ressentiments gegenüber der anderen Seite.“ Und weiter: „Onliner kompensieren mangelnde Akzeptanz mit Zukunftsarroganz. Printler ihre Zukunftsangst mit Gegenwartsarroganz“, so die erste These. Eine andere: „Online hat gewonnen. Print auch.“ Im Detail: „Während manche Printredakteure mit Einstecktuch immer noch auf die Kollegen im Kapuzenpulli herabblicken, ist die Frage der Vorherrschaft längst entschieden: Die Online-Angebote der meisten Medienmarken erreichen inzwischen mehr Leser als die der Druckausgaben, und die Online-Leser sind ebenso gebildet und wohlsituiert, dafür ein bisschen jünger. Wichtiger noch: Guter Online-Journalismus ist heute so gut wie guter Print-Journalismus und kann sich dabei eines erheblich größeren Repertoires von Erzählformen bedienen. Online hat gewonnen.“ Um dann hinzuzufügen: „Print aber auch.“ Tja.

Karsten Lohmeyer von „Lousypennies“ hat sogar seinen heiligen Sonntag sausen lassen, um seine Meinung ins Netz zu stellen: „Viel wichtiger ist die Frage: Wo steht der deutsche Journalismus im Jahr 2014? Haben es Online-Journalisten wirklich nötig, sich heute noch Argumente wie Schnorrerausgabe und „kein Journalist” um die Ohren hauen zu lassen? Die Pleiten der vergangenen Jahre sollten doch gezeigt haben, dass es zumindest mit den deutschen Tageszeitungen so nicht weitergehen kann, selbst wenn man es sich noch so sehr wünscht. Meiner Meinung nach geht es dabei nicht einmal mehr darum, ob und wann Print stirbt, sondern wie man die über Jahre aufgebaute journalistische Marke in das digitale Zeitalter transformiert – und dabei auch wirtschaftlich erfolgreich bleibt. Dass sich Print-Redaktion dafür kompetente Online-Journalisten in die eigene Redaktion holen und gleichzeitig die Onliner von der Erfahrung und der Kompetenz der altgedienten Print-Kollegen profitieren, ist für mich der Schlüssel dazu.“ (link)

Grundsätzlich gestimmt ist auch die „taz“ und mischt sich wie folgt ein: „Was ist ein Journalist? Beziehungsweise: Wer darf sich so nennen? Jemand mit Ausbildung an einer Journalistenschule? Eine Theodor-Wolff-Preisträgerin? Einer, der Nachrichten zusammenträgt, aber nicht selbst findet?“ Und findet eine wohl richtige, aber auch etwas konventionelle Antwort: „Journalismus ist mehr als große Reportagen schreiben, mehr als bissig kommentieren, mehr als Stimmen zum Spiel einholen. Journalismus ist, was für ein wunderschönes, altes Wort: Blattmachen. Was eine Geschichte, was eine Nachricht, was ein Aufhänger, was ein neuer Dreh ist – all das sind Entscheidungen, die Blattmacher treffen müssen. Immer unter den Voraussetzungen, die ihnen das eigene Medium bietet, immer unter Berücksichtigung dessen, was gerade gebraucht wird. Das kann eine Print-Seite-3-Geschichte sein oder ein kurzer schneller Onlinekommentar. Oder eine opulente Webdoku oder eine kleine Glosse. Blattmachen im Internetzeitalter, das heißt „eine Seite führen“, ein fluides Gebilde, das sich nicht so leicht zähmen lässt wie die alten, statischen Zeitungsseiten.“

Christoph Kappes dagegen geht mit den Kapuzenträger ins Gericht, den Hoodies, wie sie der Eingeweihte liebevoll nennt: „Nun ist es sicher nicht leicht, einer pauschalen Hinterzimmerkritik mit Sachargumenten zu begegnen. Aber den Beteiligten fällt nur ein ein Fotoalbum von Selfies mit Hoodie ein, ein Hoodie-Selfie-Albie. Wie wäre es gewesen, großartige Texte von Online-Journalisten zu verlinken? Wie wäre es gewesen, man hätte ein Mem entwickelt, bei dem man sich gegenseitig für die journalistische Arbeit lobt?“ (hier mehr)
Und er empfiehlt zum Abschluss mal keinen weiteren Text oder Tweet, sondern einen Popsong von Knarf Rellöm Trinity: . Ob das so stimmt? Und ob es hilft? Und sollte man das nun besser auf Vinyl, oder auf CD, auf einem Stick oder womöglich gar live dargeboten genießen? Ach, diese Fragen …

 

Dies und das

Apropos Print und Online – wir haben Post zu unserer Meldung bekommen, das „Medium Magazin“ müsse sparen und erscheine nun seltener: „Wir sind selbst nicht ganz unschuldig an dem Eindruck, dass wir sparen müssen (was wir übrigens seit 27 Jahren müssen; wir hatten noch nie zu viel Geld!). Richtig ist: Wir erhöhen den Erscheinungsrhythmus, wir stellen auf eine klare Erscheinungsstruktur um, wir erweitern das Produktangebot (u.a. Berlin intern), wir erhöhen die Auflage und wir machen das in allen 3 Ländern (D/Ö/CH)“, schreibt uns Herausgeber Johann Oberauer. Und gewährt uns allen auch Einblicke hinter die Kulissen: „Wir haben dafür einen der weltbesten Designer verpflichtet. Wir zermartern uns Tag und Nacht unsere Köpfe, was und wie wir besser und wertvoller werden können.“ Da wünschen wir ganz aufrichtig: Viel Erfolg!

Zuletzt noch etwas aus der Rubrik "Krise“: das „Heddesheimblog“, das älteste Blog hierzulande, pausiert: „Das Heddesheimblog.de verabschiedet sich auf unbestimmte Zeit in eine Pause. Ändern können das nur Sie, die Leser/innen. Ganz schnell, in ein paar Wochen, irgendwann oder nie. Ob künftig weiter Nachrichten & Informationen auf dem Heddesheimblog.de veröffentlicht werden, hängt also ganz allein von den Leser/innen ab.“ Und so sollen die Leser und Leserinnen spenden und abonnieren, damit es weitergeht. (mehr hier)

Seminare

„Beim nächsten Academy-Workshop im Hamburger Quartier schauen wir in eine schwierige Branche, in der die digitale Revolution Arbeitsbedingungen und die Art, wie Geld verdient werden kann, nachhaltig verändert hat – den Journalismus.“, schreiben uns die Digital Media Women: „Was die Besucherinnen mitbringen sollten: Offenheit fürs Digitale und Verständnis dafür, dass es Selbstvermarktung, unternehmerisches Denken und eine Portion Geduld braucht, um ins Netz schreibend Geld zu verdienen. Ein Workshop für Journalistinnen, Bloggerinnen und alle, die publizistisch tätig sind und mehr als ein paar Cent damit verdienen wollen; besonderes Vorwissen ist nicht erforderlich.“
Workshopleiterin ist Freischreiberin Carolin Neumann, und hier die Daten: Freitag, 11. April, 14 bis ca. 18 Uhr in den Räumen des Landesfrauenrat Hamburg, Grindelallee 43 (im Sauerberghof), Hamburg. Teilnahmegebühr: 79 Euro (Fördermitglieder zahlen nur 59,00 Euro). Und das Beste: für fünf Freischreiberinnen gibt es gleichfalls verbilligte Karten! Anmeldung: Die verbindliche Anmeldung erfolgt über Amiando.

Selbständigkeit als freiberuflicher Journalist“, so der Titel des Kölner Freischreiber-Seminars zum berühmten Businessplan: „Egal aus welcher Motivation heraus die Selbständigkeit gestartet wird – ob als Reaktion auf gegebene Marktbedingungen, ob als lang gehegter Wunsch oder weil man im Team eine tolle Geschäftsidee hat – der Businessplan ist das Herzstück einer jeden Selbständigkeit. Dabei ist dieser mehr als nur ein Stück Papier und kein statisches Element, sondern sollte gelebt werden.“
Referent ist Jochen Wilhelm, seit 20 Jahren selbständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt integraler Begleitung von Existenzgründungs- und Unternehmensaufbauprozessen im Medienbereich. Datum: Freitag, 16. Mai, von 16. bis 20 Uhr. Unkostenbeitrag für Freischreiber-Mitglieder: 10 Euro, Nichtmitglieder 20 Euro (inkl. Getränke und Snacks). Ort: Barbarella Entertainment, Köln, Aachener Str. 26 (Nähe Rudolfplatz). Anmeldungen an Brigitte Baetz über bribaetz_at_aol.com richten.

Zwei freie Plätze gibt es noch im Seminar „Der gelungene Auftritt: Rhetorik für Journalisten“ vom 3. – 4. April 2014 in Berlin. Nähere Informationen zu Inhalt, Methoden, Preis, Ort, Trainer finden Sich hier. Nachfragen kann man bei Marion.Fiedler-at-fes.de

Projekte

Das Projekt „Ashoka“ sucht Vorschläge für neue Fellows, die durchaus auch journalistisch oder medial unterwegs sein können: „Hinter den meisten gesellschaftlichen Innovationen stehen außergewöhnliche Frauen und Männer, die ein Problem sehen, eine neue Lösung finden und sie selbst umsetzen – statt die Lösung von anderen zu fordern. Genau diese Menschen sucht und fördert Ashoka.
Welche Persönlichkeit im sozialen Sektor beeindruckt Sie? Von wem glauben Sie, dass er das Potenzial hat, durchgreifende gesellschaftliche Verbesserung in Gang zu setzen? Nominieren Sie uns diese Personen für die Ashoka Fellowship.“ Und dazu besuche man die entsprechende Homepage von Ashoka.

Befragungen

„Uns interessiert dabei vor allem, welchen Stellenwert Recherche in Ihrem Arbeitsalltag hat und welche finanziellen Möglichkeiten freie Journalisten wie Sie für intensive Recherche haben“, schreiben uns Karen Grass und Matthis Dierkes und bitten um Teilnahme einer entsprechenden Befragung (klick) ihrer Abschlussarbeit im Fach Journalistik an der TU Dortmund. Und im Detail: „Bitte füllen Sie den Fragebogen vollständig und ehrlich aus. Es geht uns um Ihre persönlichen Erfahrungen aus dem Berufsalltag. Die Befragung dauert etwa 10 Minuten.“
Wer an den Ergebnissen der Befragung interessiert ist, wende sich an folgende Adresse: matthis.dierkes-at-tu-dortmund.de

So, das war's schon wieder. Jedenfalls fast. Denn einen letzten, ganz praktischen Tipp haben wir uns noch aufgespart: von Samstag auf Sonntag … die Uhrzeit! … nicht, dass Sie am Montagmorgen zu spät zu einer möglichen Redaktionskonferenz kommen! Ob nun Print oder Online …

Ihre Freischreiber

 

Himmel-und_Hölle-Preis 2013

FREISCHREIBER TERMINE

Hamburg

Die Hamburger Freischreiber schauen diesmal auf die kommenden Monate, wollen mal grundsätzlich planen und bieten dazu einen Stammtisch mit Abendbrot: „Welche Missstände gilt es zu bekämpfen? Was wollen wir die nächste Zeit auf die Hörner nehmen? Welche Zeichen müssen wir setzen? Was sind Eure Wünsche und Ideen für Kampagnen, Workshops oder Veranstaltungen? Außerdem wollen wir Euch darüber informieren, was derzeit läuft und was noch in Planung ist. Ein Stammtisch in eigener Sache also.“
Und nun die schlichten Daten: Montag, 31. März, 19.30 Uhr. Ort: das wundervolle Oberstübchen am Hamburger Fischmarkt, da wo die Palmen stehen (sie haben es aber auch gut, diese Hamburger!). Dazu gibt es (für einen Unkostenbeitrag von 3 Euro) Suppe, Brot und Butter – und einen fantastischen Blick auf den Hafen. Bitte meldet Euch an, damit wir die Mengen planen können: kontakt(at)ruth-hoffmann.de
 

Berlin

Das Medienprojekt „hostwriter“ und die Erfahrungen von Kollegen mit Mobile Reporting beschäftigen uns beim nächsten Freischreiber-Abend in Berlin am Dienstag, 1. April um 19.30 Uhr. Die Journalistin Tabea Grzeszyk stellt uns die Netzwerk-Plattform http://hostwriter.org/ vor, die es Journalisten erleichtern soll, mit Kollegen in anderen Ländern zusammenzuarbeiten. Guy Degen ist als Reporter für die Deutsche Welle unterwegs, arbeitet als Trainer für BBC Media Action und bietet seinen Auftraggebern mit Hilfe seines Smartphones eine multimediale Berichterstattung an. http://www.guydegen.com/. Vorstandsmitglied Carola Dorner ist auch da und berichtet von den jüngsten Freischreiber-Aktivitäten.
Anmeldungen bitte an gemma.poerzgen-at-gmx.net.

Und in der Nähe von Lübeck

Das Datum: der 20. Oktober. Die Uhrzeit: ein Fragezeichen. Der Ort: irgendwo in der Nähe von Lübeck. Aber einen Titel gibt es: „Die geheime Woche“. Und der uns geschickte Text dazu lautet: „Diese Veranstaltung ist noch ein gehütetes Geheimnis. Fest steht, dass sie eine Woche dauert.“ Wer mehr erfahren möchte: siggen-at-freischreiber.de.