vom 06T20:30:00+00:00.11.2018

Eine Nussschale im Ozean

Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,

es ist soweit: unsere Nominierungen stehen. Für das Gute und das Böse. Für den Himmel und die Hölle. Und für die dazugehörigen Preise.

Beginnen wir mit Himmel: Da sind die 19 freien Journalisten und Journalistinnen der Eßlinger Zeitung und das VG Wort kritische Portal Vginfo.org nominiert sowie die Zeitschrift „Impulse“ und die „P.M. Gruppe“.

Alle einzelnen Nominierungen sind auf unserer Homepage aufgeführt – hier geht es lang: https://www.freischreiber.de/aktuelle/vier-kandidaten-fur-den-himmel/

Und dann schauen wir Richtung Hölle, für die sich die Neue Züricher Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und der WDR qualifiziert haben – alles sogenannte mediale Schwergewichte von hohem Ansehen und allseits bekannt und irgendwie geschätzt.
Warum das offenbar täuscht, das kann ebenfalls einzeln nachgelesen werden.

Bleibt die spannende Frage: Wer wird’s? Also wer kommt in den Himmel und wer muss den Weg in die Hölle antreten?

Die große Auflösung gibt es am 17.11. In Berlin, im Ballsaal-Studio nämlich, im Rahmen unserer großen Freischreiber-wird-zehn-Jahre-alt-Sause, wo wir unserer allseits Himmel-und-Hölle-Preis verleihen.

Ort, Uhrzeit – alles findet sich hier.

Wie Newsroom.de über unsere Nominierungen berichtet hat, kann man hier nachlesen; bei meedia.de klingt es so.

Dies & das

„Ja, das Brot wurde durch eine Klappe in der Tür in die Zelle gereicht. Ich hätte auch fünf oder zehn Scheiben haben können – aber eben nur Brot. Keine Butter, kein Belag. Das Brot war so trocken, dass es sich wellte. Und es gab nur wenig Flüssigkeit in Form von Tee. Kein Lappen für den Abwasch, sehr eklig. Im Kongo habe ich als Reporter einmal ein Gefängnis besucht. Daran hat mich das Tübinger Gefängnis erinnert.“, erzählt Freischreiber Philipp Maußhardt.

Denn er war im Gefängnis. Und erzählt in einem Interview mit dem Mediummagazin, warum jeder Journalist und jede Journalistin das mal erleben sollte: „Es eröffnet ja auch den Blick in eine sonst verschlossene Welt. Ich habe während des Hofgangs spannende Geschichten gehört. Journalisten können so eine Zeit auch als Akquise-Instrument sehen.“

Okay, an Pathos wird erst mal nicht gespart, wenn es heißt: „ Journalisten sollten niemals Missionare sein. Ihre einzige Mission ist die Suche nach der Wahrheit. Darum geht es. Nicht um mehr. Nicht um weniger.“ So stellt sich ein neues Projekt namens „Mission Truth“ vor, das sich besonders an junge Mediennutzer richtet.
Und wer steckt dahinter? Natürlich nicht Tom Cruise, sondern die Axel Springer Akademie, die ein internationales Projekt in Sachen Videojournalismus für und mit jungen Menschen gestartet hat. Und weil man offenbar mit viel echtem Herzblut dabei ist, noch ein Satz für uns Ältere aus der Selbstdarstellung: „Der einzelne Journalist ist im Internetzeitalter eine Nussschale im Ozean.“ Ach, klingt das schön. Und schräg.

Und wer sich für das Genre des Nonprofitjournalismus interessiert, der wird bestimmt auf einer neuen Seite von Netzwerk Recherche fündig, die zum Suchen und Finden einlädt: https://netzwerkrecherche.org/wegweiser/

Freischreiberiges

Freischreiberin Sonja Ernst hat zusammen mit zwei Kolleginnen das Stipendium „Reporters in the Field“ bekommen, das grenzüberschreitende Rechercheprojekte fördert. In 2019 wird sie daher im Team mit Serbeze Haxhiaj und Hilma Unkic in Bosnien und Kosovo zu sexualisierter Kriegsgewalt und Aufarbeitung recherchieren: „Wir erzählen die Geschichten von Kindern, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurden, und heute Erwachsene sind.“

Die Reporter Akademie Berlin und Amnesty International laden Freischreiberin Charlotte Wiedemann in Berlin zu einem Werkstattgespräch ein: „Seit über 15 Jahren schreibt sie über islamische Lebenswelten in West und Ost, ist unterwegs von Mali bis Malaysia, um für ihre Reportagen, Essays und Bücher zu recherchieren. Doch wie berichtet man als westliche Frau über so unterschiedliche Kulturkreise wie die Indonesiens oder des Irans? Wie verhält man sich gegenüber Warlords in Kriegsgebieten wie Mali?“
Termin ist der 19. November, ab 18.30 Uhr, und hier erfährt man Ort und die Daten.

Und wo wir ohnehin gerade so oft in Berlin sind, noch ein Hinweis auf die Termine der temporären Recherche- und Schreibklinik von Freischreiberin und Riffreporterin Anja Krieger in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin „Die Besucher*innen der Bibliothek  können mit eigenen Ideen, Recherchefragen oder Texten zu Anja Krieger kommen und sich 15 Minuten individuell beraten lassen: Wie komme ich bei der Recherche weiter? Wie entwickele ich aus meiner Idee eine Struktur? Und wie wird aus einem guten ein unwiderstehlicher Text?“ Die genauen Termine im November und Dezember finden sich hier.

Die KSK und das Riestern:

Denn Achtung für alle KSK-Mitglieder, die riestern: Prüft beim Steuerbescheid für 2017 bitte, ob eure Riester-Vergünstigung anerkannt wurde. Falls nicht, unbedingt Widerspruch einlegen und einen sogenannten Festsetzungsantrag stellen (Muster hier: https://www.kuenstlersozialkasse.de/die-ksk/meldungen.html)! 

Hintergrund: Bei der KSK hat es dieses Jahr eine Panne gegeben, und es wurden nicht alle Daten korrekt an die Deutsche Rentenversicherung gemeldet. Im August hat die KSK den Fehler korrigiert, aber nicht rechtzeitig für alle. Das heißt, die Finanzämter haben teilweise nicht rechtzeitig die Bestätigung erhalten, dass ihr 2017 geriestert habt.

Ein Tipp: Statt eines schriftlichen Widerspruchs hat sich bei einigen KSK-Mitgliedern erstmal ein Anruf beim entsprechenden Finanzamt als hilfreich erwiesen, um den Steuerbescheid zu korrigieren. Wenn das nicht hilft: Widerspruch …

Und mal wieder eine Anfrage für eine wissenschaftliche Arbeit zum freien Journalismus

Und los geht’s: „Mein Name ist Eirik Sedlmair, und ich studiere Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Aktuell schreibe ich meine Bachelorarbeit, in der ich die Situation freier Journalisten und Journalistinnen in Deutschland mittels mehrerer Leitfadeninterviews untersuche. Das Hauptaugenmerk meiner Bachelorarbeit soll darauf liegen, was die Journalisten und Journalistinnen „richtig“ machen, die vom Journalismus leben können und nicht darauf angewiesen sind, (branchenfremden) Nebentätigkeiten nachzugehen. Eines dieser Interviews würde ich gerne mit Ihnen führen. Hätten Sie ab Mitte November Zeit dafür? Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.“ 
Und natürlich gibt es dazu eine E-Mail-Adresse, nämlich eiriksedlmair-at-hotmail.de.

Und auch Hostwriter möchte etwas wissen, etwas Wichtiges:

„Vor knapp zwei Jahren hat die holländische Adessium-Stiftung damit begonnen, Hostwriter mit einer institutionellen Förderung zu unterstützen. Jetzt stehen wir vor einer Halbzeit-Evaluation, mit der unsere Arbeit eingeschätzt und bewertet werden soll. Dabei ist natürlich die drängendste und wichtigste Frage, was DU über Hostwriter denkst. Wie nützlich ist das Netzwerk für Dich, was gefällt Dir und was sollten wir verbessern?“
Wer helfen, unterstützen und sich also beteiligen möchte, hier kann man das tun

Seminare, Preise & Ausschreibungen

Frisch veröffentlich hat die Hamburger Akademie ihr umfängliches Seminarprogramm, das man hier einsehen kann und das Blattmachen für Magazine ebenso anbietet wie Kreatives Schreiben oder das Heranlocken von Lesern durch ein ideales Layout.

Hinweisen möchten wir dabei besonders auf das Programm „Halbe Miete“, mit der die Akademie zusammen mit der Stiftung Hamburger Presse freien Journalisten und Journalistinnen mit Wohnsitz in Hamburg die Möglichkeit bietet, Seminare zum eben halben Preis zu buchen. Hier wird erklärt, wie das geht.

So. Das war’s schon wieder. Und bevor jetzt wieder alle an die Tastatur gehen und weiterackern, noch eine Empfehlung: eine wirklich gelungene Multi-Media-Reportage von Antje Seemann über „Holgers letzte Schicht“ und damit das Ende der Kohle-Ära im Ruhrpott.

Habt und haben Sie schöne Tage und bis in Berlin

Ihre
:Freischreiber und :Freischreiberinnen