Von Geld und anderen Kleinigkeiten



Von Geld und anderen Kleinigkeiten

vom 07.02.2014

Liebe Kollegen und Kolleginnen,
 
und dann ist sie da, die eine, große Frage: Was verlange ich denn jetzt an Honorar? Was kann ich wohl durchsetzen, wo ist meine Schmerzgrenze, wann sage ich 'nein'? Und wie fange ich es überhaupt an, wie wappne ich mich, wie argumentiere ich meinem Auftraggeber gegenüber? Am Telefon laut nachdenken,empfiehlt Redakteur Jörg Eggert. Verschiedene Versionen von der Luxusvariante bis zur Sparversion bietet Freischreiberin Inka Schmeling an. „Verhandle, gottverdammtes Arschloch!“, sagt Constantin Seibt und muss am Monatsende nicht mehr nur Nudeln essen.
Wie das im Einzelnen geht ist alles im Detail nachzulesen in unserer Freienbibel
, die jetzt frisch gedruckt und gut gelaunt vorliegt: für Freischreiber-Mitglieder macht es 25 Euro, für alle anderen werden es 34,90 Euro.
 
Apropos Geld, das verdient werden will: Nicht entgangen ist uns, das der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in letzter Zeit uns freie Journalisten entdeckt hat und in seinem Magazin „Journalist“ verstärkt über diese Wesen berichtet. Aktuell findet sich dort ein Interview mit Michael Hirschler, der sich im Gespräch mit der hauseigenen „Journalist“-Journalistin Monika Lungmus zur Einhaltung der Allgemeinen Vergütungsregeln für freie Journalisten äußerst, die der DJV und die DJU 2010 mit den Zeitungsverlegern abgeschlossen haben. Denn damit sieht es gar nicht gut aus! Die werden nämlich weitgehend nicht eingehalten! „Tatsache ist, dass viele Verlage die Vereinbarung ignorieren“, sagt Hirschler leicht zerknirscht. Ja, wie konnte das geschehen? Hat man das nicht absehen können? Wo sich doch in den Vereinbarungen selbst schon kein einziges Wort darüber findet, was eigentlich geschieht, wenn eben Verlage diese Vereinbarungen wie Luft behandeln. Und nun hat man den Salat . . . also die einzelnen Journalisten haben ihn . . .
Was Freischreiber damals zu den Vereinbarungen sagte, hier ist es zu lesen.

 

Dies und das

„Recherche? Lasst die Freien ran!“, überschreibt Sascha Luebbe auf Drehscheibe.org hoffnungsvoll sein Gespräch mit dem Chefredakteur der Böhme Zeitung in Soltau. Denn hier habe man beschlossen Langzeitrecherchen neuerdings an Freie zu vergeben: „Bezahlt werden diese mit 22,50 Euro pro Recherchestunde, inkl. Fahrten und Spesen, und 74 Cent pro Zeile für den fertigen Text. Die Themen kommen jeweils aus der Redaktion, da die recherchierenden Journalisten in Deutschland verteilt sind. Die aufwendigste Geschichte, an der derzeit noch recherchiert wird, widme sich einem Mobilienunternehmer in Berlin. Der entsprechende Redakteur habe schon über 40 Interviews zu dem Thema geführt.“
 
Daniel Guggeis widmet sich auf seinem Blog noch mal dem Kollegen Hubert Denk: „Hubert Denk ist ein seriöser Lokalreporter. In seinem Magazin Bürgerblick schreibt er über das, was gerade so rund um Passau passiert. Er hat weder ein großes Verlagshaus noch eine Rechtsabteilung hinter sich stehen. Er ist, wie viele heutzutage, ein freier Journalist. Wenn die es mit der Justiz zu tun bekommen, kann es ganz schnell existenzgefährdend werden, wie uns sein Fall zeigt.“
Wer in den Fall „Denk“ eintauchen und sich auf Stand bringen will, schaue noch mal in die Taz und natürlich hat auch Freischreiber dazu eine Haltung und unterstützt den streitbaren Kollegen.
 
Als neulich vom „Medium Magazin“ die „Journalisten des Jahres“ gekürt wurden, versammelte sich wieder allerlei eben Medienprominenz, die dieses und jenes zu verlautbaren und zu erklären hatte. „Meedia“ bietet dazu eine Auslese. Bernd Ziesemer, Laudator für die Kategorie 'Chefredakteure des Jahres': „Wir Journalisten müssen verdammt noch mal mehr nachdenken!” Und die ausgezeichnete Chefredakteurin Gabriele Fischer von „Brand Eins" forderte ein Ende des Jammerns über den Job des Journalisten. Denn: „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist dass wir alle keine Journalisten mehr sind.”
 
Tief in die Geschichte und damit in die Gegenwart taucht die aktuelle Ausgabe der „Medientribüne“ ein und widmet sich dem Gründungsmythos des „Stern“. Und die Reise geht vom Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf über „Stern“-Ausgaben aus den Jahren 1938 und 1939; Henri Nannens Tätigkeit in der „SS-Standarte Kurt Eggers“ mit ihrer „Untereinheit Südstern“ wird beleuchtet, bis schließlich über viele Umwege das erste Heft von „Zick Zack‘ erschien: „Mitunter kann aus einem bloßen Zick-Zack ein richtiggehender Stern werden. Das ist eine Frage der Geschicklichkeit oder des Zufalls. Nun, lieber Leser, das Glück sollst Du haben: Vom nächsten Heft an heißt diese Zeitschrift nicht mehr Zick-Zack, sondern Stern.“ Ja, so poetisch war man früher!
 
Und heute? „Das erste Wissenschaftsmagazin, das exklusiv als App erscheint: Substanz erzählt große Geschichten, die anderswo nicht stattfinden. Mit allen Mitteln der digitalen Welt. Jede Woche neu auf eurem Tablet, Laptop oder Smartphone.“ So macht sich „Substanz“ auf den Weg. Und hat nicht gerade wenig vor: „Wir machen keinen bequemen Schreibtisch-Journalismus. Wir geben den besten Wissenschaftsjournalisten die Zeit, vor Ort zu recherchieren. Und wir geben ihnen den Raum, die ganze Geschichte zu erzählen. Sorgfältig. Kritisch. Und offen für alle Überraschungen, die das Thema birgt.“ Geld wird ab nun via Crowdfunding für dieses charmante Projekt gesammelt, den bezahlten digitalen Qualitätsjournalismus zu etablieren.
Und wer steht dahinter? Einmal Georg Dahm, der nacheinander die Financial Times Deutschland und dann den Life Science abwickelte. Und dann noch  Denis Dilba, Diplom-Ingenieur in der Automobilbranche, bevor er zum Journalismus wechselte.
 
Und wo wir gerade beim App-Journalismus sind: Die dpa-Tochter „news aktuell“ hat Journalisten nach ihren Recherchegewohnheiten befragt. Und siehe: „Herausgekommen sind interessante Einblicke in die „Recherche 2014““. Nämlich: „Besonders mobil-affin sind demnach Multimedia-Journalisten. 62 Prozent der Videoredakteure, 53 Prozent der Audioredakteure und 47 Prozent der Online-Redakteure suchen täglich nach Informationen für ihre redaktionelle Arbeit. Unterdurchschnittlich ist die Nutzung bei Textredakteuren (39 Prozent) und Bildredakteuren (40 Prozent).“ Was uns jetzt jeweils nicht so sehr überrascht.
 
„Trotz der wirtschaftlichen Situation eines Freiberuflers, der in der anhaltenden Zeitungskrise jeden Auftraggeber bitter nötig hat, werde ich nie wieder für die Morgenpost schreiben“, schreibt Freischreiber Jan Freitag in der aktuellen Ausgabe des „Journalist“ und wählt dazu die Form des offenen Briefes. Sein Vorwurf: Die Hamburger Boulevardzeitung betreibe Kampagnenjournalismus – wie unlängst anhand ihrer Berichterstattung über tatsächliche oder vermeintliche Krawalle in der Hansestadt deutlich geworden sei. Dabei schlug einst Freitags Herz sehr für die Mopo, wie man das Blatt gerne abkürzt: „Die Hamburger Morgenpost hat mich als Leser ebenso wie als Schreiber sozialisiert, seit ich Zeitungen lese. Schon im Elternhaus gehörte sie zur Standardlektüre, auch nach dem Auszug, während des Studiums, an anderen Wohnorten bin ich ihr treu geblieben und nach Beginn des Online-Zeitalters auf Reisen bis hin nach Kuba. In dieser Zeit habe ich sie stets gesucht, oft verflucht, aber nie ganz verlassen. Doch jetzt ist diese Zeitung nicht mehr meine Zeitung, weil sie keine Zeitung mehr ist, sondern ein populistisches Kampfblatt. Das macht mich traurig, es macht mich aber vor allem wütend.“
Und nun ist alles anders: „Die Morgenpost hat also keinen Journalismus betrieben, sondern Regierungsverlautbarung. Sie hat nicht berichtet, informiert und analysiert, sondern gemutmaßt, polemisiert und, wäre dieser Begriff pressehistorisch nicht so verunreinigt, müsste man sagen: gehetzt. In einer unseligen Vermengung von Meinung und Nachricht wurde die Suche nach der Wahrheit bis hin zur bewussten Fehlinformation missachtet und somit alles, was mir als Journalist lieb und teuer ist – Handwerk, Moral, Ausgewogenheit und Objektivität – so vorsätzlich mit Füßen getreten, dass ich mich nicht nur schäme, je für die Morgenpost tätig gewesen zu sein; nein – ich schäme mich, den gleichen Beruf zu haben wie jene Kolleginnen und Kollegen, die ihr journalistisches Gewissen für die nächstbeste Kampagne opfern.“
Was der Chefredakteur der „Mopo seinem langjährigen Autor durchaus detailversessen darauf antwortet („Wir freuen uns immer, wenn Leser sich so intensiv mit der MOPO auseinandersetzen.“),wie das wieder Freitag kommentiert und wie und warum beide am Ende aneinander vorbei reden, das ist die Lektüre mehr als wert.
Ergänzend sei auch der Artikel im aktuellen „Journalist“ von René Martens empfohlen: „Was wirklich geschah – Bei ihren Berichten über die Unruhen in St. Pauli haben viele Journalisten ihre Sorgfaltspflicht verletzt“. Leider noch nicht online lesbar.
 

Preise

 
Einen Journalistenpreis zum Thema Ehrenamt lobt der Rhein-Kreis-Neuss aus. Titel: „Pro Ehrenamt“. Einsendefrist ist der 30. April. Vergeben werden je 5.000 Euro für die Sparten Lokales, Fernsehen und Print. Für Volontäre und Youngsters gibt es noch einen Nachwuchspreis.
 
Und noch ein Stipendium, das diesmal nach China führt: „Das International Media Center und die Robert Bosch Stiftung vergeben dreimonatige China-Stipendien an deutsche Journalisten. Erfolgreiche Bewerber reisen vom 15. September bis 13. Dezember 2014 ins Reich der Mitte. In Peking absolvieren sie ein medien- und landeskundliches Kurzstudium an der renommierten Tsinghua Universität sowie mehrwöchige Hospitationen in führenden chinesischen Medienunternehmen. Ausflüge, Gastvorträge und eine Exkursion in andere Provinzen vertiefen die Erfahrungen.“ Das Stipendium umfasst die Reisekosten, die Studiengebühren sowie ein monatliches Stipendiengeld in Höhe von 1200 Euro. Chinesisch-Kenntnisse schaden nicht, sind aber keinesfalls eine Voraussetzung. Bewerbungsschluss ist der 15. März.

 

Himmel-und_Hölle-Preis 2013

FREISCHREIBER TERMINE

München

 Am Montag 17. Februar um 19.30 Uhr wird uns Hostwriter-Mitgründerin Sandra Zistl im Büro von Jörg Spaniol in der Katzmairstr. 79 das Konzept des neuen Journalisten-Netzwerks vorstellen. Hostwriter bietet eine Kombination aus Rechercheunterstützung und Couchsurfing von Journalisten für Journalisten – vor Ort und weltweit, nach dem Motto: Finde einen Kollegen, finde eine Geschichte/Protagonisten/Insidertipps, finde eine Übernachtungsmöglichkeit. Anmeldungen wie immer an gabi_beck-at-gmx.de
 

Hamburg

 Ausgebucht ist dagegen die „Crypto Party“ der Hamburger Freischreiber, die in Kooperation mit Freelens und mit Unterstützung des Chaos Computer Clubs am 11. Februar eine solche veranstalten: „Am eigenen mitgebrachten Rechner kümmern wir uns um Themen, die uns in Zeiten flächendeckender Überwachung alle angehen: Datensicherheit, Verschlüsselung von E-Mails, Bereitstellung von Daten an Kunden über sichere Wege."
Aber es gibt eine Warteliste. Um auf diese zu kommen, möge man sich beim Freelens-Kollegen Florian Sonntag melden: mail-at-floriansonntag.com
 
 

Frankfurt

Am Dienstag, 25. Februar um 19 Uhr findet der nächste Themenabend zum Online-Publishing statt: Einfach selber machen? Lokal-, Stadt- oder Kultur-Magazin Online – was braucht man, was kostet und was bringt das? Diesmal mit zwei Referenten aus den eigenen Reihen:
Julian Heck wird seinen Hyperlokalblog weiterstadtnetz vorstellen und Andrea Pollmeier, das online Kultur-Magazin faustkultur
 Ort: preiserconsorten – Büro für Qualitätsjournalismus Ostbahnhofstraße 15 60314 Frankfurt am Main
 Achtung: Zum Planen wäre es schön, wenn ihr bis spätestens 17.2. ein kurzes "komme"/"komme nicht" rückmeldet an Sylvia.Meise (at) t-online.de
 Und: Auch (Noch-)Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen!