Authory Gründer Eric Hauch (links) und Freischreiber-Vorstand Jakob Vicari

Lieblingsjournalisten unterstützen

Wir entwickeln was. Die Google Digital News Initiative fördert Innovationen im Journalismus. In der aktuellen Runde hat es die Idee „AuthoryPledge“ geschafft, die das Start-up Authory zusammen mit Freischreiber entwickelt. Hier beantwortet Authory-Gründer Eric Hauch die Fragen von Freischreiber-Vorstand Jakob Vicari.

Was ist Authory?

Eric Hauch: Authory ist eine Art Werkzeugkasten, der verschiedene Services für Journalisten in einem Produkt vereint. Die Basis dafür ist eine von uns entwickelte Technologie, die alle Artikel einer bestimmten Journalistin oder eines bestimmten Journalisten automatisch findet. Wir nutzen diese Technologie, um verschiedene Dienste anzubieten: Authory hilft Journalisten dabei, ihre Artikel automatisch zu archivieren, ganz egal wo diese veröffentlicht wurden. Außerdem können sie ihre Leser mit Authory ganz einfach per E-Mail über neue Artikel informieren. Und darüber hinaus erhalten sie über Authory detaillierte Infos, wie erfolgreich ihre Artikel auf verschiedenen Social-Media-Kanälen sind.

Wer steckt hinter Authory?

Eric Hauch: Wir sind ein kleines Hamburger Start-up, bestehend aus zwei Entwicklern und mir. Bevor ich Authory gemacht habe, hatte ich schon ein anderes journalistisches Start-up: Commentarist. Das war die Idee, eine Art Google News für Meinungsjournalismus zu etablieren. Nach einiger Vorbereitung sind wir mit mehr als 15 großen deutschen Verlagen als Partner an den Start gegangen. Während dieser Zeit habe ich mich viel mit Meinungsjournalismus auseinandergesetzt. Dabei ist mir klar geworden, wie wichtig die journalistischen Köpfe hinter den ganzen Artikeln eigentlich sind. Und mit Authory wollen wir genau diese Köpfe stärken.

Was bringt Authory freien Journalisten?

Eric Hauch: Authory automatisiert die Archivierung von Artikeln. Während der Anmeldung teilt uns ein Journalist oder eine Journalistin mit, wo sie in der Vergangenheit veröffentlicht haben und wo sie aktuell veröffentlichen. Unser System importiert und archiviert daraufhin alle bisher erschienenen Artikel und fügt auch alle zukünftigen kurz nach Erscheinen automatisch zum privaten Archiv der Journalisten hinzu.

Mithilfe von Authory können Journalisten ihre Leser bequem per E-Mail über neue Artikel auf dem Laufenden halten, ganz egal wo diese veröffentlicht werden. Die Leser melden sich dazu auf einem öffentlich verfügbaren Profil dieser Journalisten für die E-Mail-Benachrichtigungen an (siehe authory.com/AlexWilhelm). Bei neuen Artikeln erhalten sie dann immer automatisch eine kurze E-Mail mit Link zum Originaltext. Alle so gesammelten E-Mail-Adressen gehören den Journalisten und sind jederzeit exportierbar.

Authory überprüft automatisch, wie oft die Artikel eines Journalisten oder einer Journalistin in den gängigen Social Media Networks geteilt werden. In Kombination mit unserer umfangreichen Such- und Filterfunktion können sie so genau feststellen, welcher Artikel bzw. welches Thema in welchem Social Network wie erfolgreich war.

Was wollt ihr jetzt mit dem neuen Feature „AuthoryPledge“?

Eric Hauch: Authory informiert Leser automatisch und kostenlos per E-Mail, wenn ein neuer Artikel von Lieblingsautoren erschienen ist – egal wo dieser veröffentlicht wurde. Mit dem AuthoryPledge-Feature gehen wir einen Schritt weiter: Leser können ihren Lieblingsjournalisten nicht nur per E-Mail folgen, sondern diese auch direkt finanziell unterstützen. Mit einem Betrag zwischen 1 Euro und 10 Euro pro Monat, der über Authory direkt an die entsprechenden Journalisten geht. Für Leser ist das eine einzigartige Möglichkeit, individuelle Journalisten anstatt anonymer Publikationen monetär zu unterstützen. Und für Journalisten ist das Pledge-Feature ein bequemer Weg, die Verbindung zu ihren Lesern zu monetarisieren.

Was erwartet ihr euch von der Entwicklungspartnerschaft mit Freischreiber?

Eric Hauch: Wir sind Entwickler und Unternehmer, keine Journalisten. Daher ist Freischreiber ideal, um uns sowohl in der Konzeptions- als auch in der Umsetzungsphase mit Ideen und Feedback zur Seite zu stehen. So können wir sicherstellen, dass wir nie die Journalisten als unsere Kunden aus den Augen verlieren.

Ihr macht das nicht als Ehrenamt, ihr wollt damit Geld verdienen. Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Eric Hauch: Unser Geschäftsmodell ist sehr einfach: Authory steht unseren Kunden, also Journalisten, gegen eine Gebühr von umgerechnet gut 6 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr zur Verfügung. Wir haben uns mit Absicht gegen ein werbefinanziertes Modell entschieden. Nur so können wir jede Entscheidung, in welche Richtung sich Authory entwickeln soll, mit dem vollen Fokus auf Journalisten und ihre Leser treffen.

Es gibt mit Riffreporter und Steady schon Ansätze für Direktvermarktung von Journalismus. Was unterscheidet euch?

Eric Hauch: Authory vermarktet keine Inhalte. Stattdessen bieten wir Journalisten eine Plattform, um all ihre Inhalte an einem Ort zu speichern und ihre Leser über neue Inhalte auf dem Laufenden zu halten. Mit der Zusatzfunktion Pledge erweitern wir Authory dahingehend, dass Journalisten das Wohlwollen ihrer Leser monetarisieren können, ohne allerdings dafür zusätzliche Inhalte produzieren zu müssen.

Wem gehören die Daten, die ihr sammelt?

Eric Hauch: Wir nutzen die Daten wie z. B. Artikeltexte nur dazu, Journalisten unseren Service zur Verfügung zu stellen. Die Eigentümerschaft an den Inhalten bleibt bei der Nutzung von Authory unberührt.

Ihr verkauft also keine Inhalte, sondern setzt auf ein Spendenmodell, wie es taz oder The Guardian einsetzen? 

Eric Hauch: Genau, Journalisten können den guten Draht, den sie sich über Jahre zu ihren Lesern aufgebaut haben, mit dem neuen Pledge-Feature von Authory einfach monetarisieren. Dabei geht es darum, dass treue Leser ihrer Wertschätzung ihren Lieblingsjournalisten gegenüber Ausdruck verleihen können. Sie unterstützen damit nicht nur die Journalisten direkt finanziell, sondern stellen darüber hinaus sicher, dass Qualitätsjournalismus auch für andere weiterhin erhalten bleibt.

26. Juli 2018